Ein Stück von mir

Es ist ein typischer Herbstmorgen. Es regnet in Strömen und der Himmel ist dunkelblau gefärbt. Der Spitzname „blauer Planet“ macht an diesem Tag besonders viel Sinn. Wolkenschichten lagern sich am Himmel übereinander und geben der Sonne keine Chance sich von ihrer schönen Seite zu zeigen. Das Wetter lädt zum zuhause bleiben, Chips essen und fernsehen ein, aber er muss in die Uni. Er macht sich mit der kleinen Kaffeemaschine, die mittig in der Küchenzeile steht, damit jeder Besucher sie sofort sieht, einen Espresso und setzt sich an den schmalen Tisch in der Küche. Er schließt kurz die Augen und hört sich selber dabei zu, wie er mit dem Metalllöffel den Zucker in seinem Espresso verrührt. Dann erinnert er sich zurück:

Als kleiner, dunkelhaariger Junge im Mittelstufenalter ist er morgens immer in die Küche gekommen, hat niemandem einen guten Morgen gewünscht und sich an den schmalen Tisch gesetzt. Dort stand immer schon die Tasse mit dem Kakaopulver neben der Milch bereit. Seine Eltern wussten schon immer, was er morgens brauchte. Nach dem Hinsetzen hat er sich den Kakao gemixt und gedankenverloren in der Tasse gerührt, bis er sich selber mit dem Klirren des Löffels wieder geweckt, den Kakao zügig ausgetrunken und sich auf den Weg zur Schule gemacht hat. Die Tasse, die er immer benutzt hat, ist ihm genau in Erinnerung geblieben: Sie war weiß und hatte einen gelben „Star Wars“-Schriftzug auf der Seite.

Ein Stück Erinnerung. Ein Stück Zuhause. Ein Stück Jung sein.

Heute sitzt er genau an demselben schmalen Tisch. Die weiße Tasse mit dem „Star Wars“-Schriftzug wurde durch eine kleine, hellgraue Espressotasse ersetzt. Nun trinkt er natürlich auch keinen Kakao mehr, er trinkt morgens nur noch Espresso. Seine dunklen Haare sind von der Sonne heller geworden und er trägt, wenn er in die Küche kommt, keinen Rucksack mehr auf dem Rücken, sondern eine Umhängetasche mit seinem Laptop darin. Er ist Student und kommt noch schlechter damit zurecht morgens früh aufzustehen. Er macht sich aber trotzdem nicht mehr so viele Gedanken deshalb. Er ist zwar älter geworden, aber egal wie viel sich in seinem Leben geändert hat, oder noch verändern wird, manche Dinge bleiben eben doch gleich. Ein Stück Zeitlosigkeit.

Ein Stück Eigenheit. Ein Stück Er.

Gastbeitrag von Maggy

Es ist ein warmer, man würde fast schon sagen heißer Sommertag. Die Sonne scheint glühend heiß auf die Erde und der Himmel ist hellblau. Keine einzige Wolke ist zu sehen. Das Wetter läd zum Baden oder Eisessen ein, aber sie sitzt in einem Liegestuhl im Garten, hört über ihr Handy Musik und genießt lieber dort das Wetter. Sie schließt die Augen und lässt die Melodien und die Liedtexte auf sich wirken. Sie erinnert sich zurück:

Als kleines, blondes Mädchen im Kindergartenalter hat sie immer bei solch einem Wetter auf dem Balkon gesessen. Der Walkman war damals „in“ und sie fühlte sich wahnsinnig cool mit den klobigen Kopfhörern. Stundenlang saß sie in dem Liegestuhl und hörte eine Bibi Blocksberg-Kassette nach der anderen, beobachtete den Himmel oder schloss einfach ihre Augen und hing ihren Gedanken nach. Ab und zu nickte sie dabei ein und war verärgert über sich selbst, dass sie nicht alles von der Kassette mitbekommen hatte, als sie wieder aufwachte. Die Polster der Liege sind ihr ganz genau in Erinnerung geblieben: Sie waren weich, sehr bequem und gemütlich. Ihre Eltern hatten sie in mattgrün gekauft. Zusätzlich waren sie mit roten Farbstreifen durchspickt.

Ein Stück Erinnerung. Ein Stück Geborgenheit. Ein Stück Kindheit.

Heute liegt sie auf genau der gleichen Liege. Das bequeme, grüne Polster wurde durch ein hartes, lachsrotes ausgetauscht. Der Walkman wurde gekonnt durch ein Handy ersetzt. Statt eines deutschen Hörbuchs hört sie nun englische Musik. Ihre ehemals blonden Haare haben sich über die Jahre zu einem hellbraun entwickelt und der Liegestuhl steht nicht mehr auf einem Balkon sondern in einem Garten. Auf ihm liegend schließt sie auch heute noch gerne ihre Augen und geht ihren Gedanken nach und nicht selten schläft sie dabei sogar ein, nur darüber ärgern tut sie sich nicht mehr. Sie ist zwar älter geworden und hat schon längst ihre Schule abgeschlossen, aber egal wie viel sich in ihrem Leben geändert hat oder noch verändern wird, manche Dinge bleiben eben doch gleich.

Ein Stück Zeitlos. Ein Stück Gewohnheit. Ein Stück Ich.

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