Erwachsenwerden in New York City

USA, New York, 60er Jahre. Hier spielt der Fänger im Roggen von J.D. Salinger, dessen Hauptfigur ein 17-jähriger Junge ist. Holden Caulfield nimmt uns mit in seine Gedankenwelt und erzählt von einem Wochenende als er noch 16 Jahre alt war.

Das Buch ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, was es in Kombination mit dem Alter des Erzählers sehr besonders macht. Mich hat das Buch in eine Welt entführt, die ich gar nicht mehr so vor Augen hatte. Wie war es damals, mit 16 Jahren gegen viele gesellschaftliche Konventionen zu sein? Oder viele Erwachsene für nervig und Bekannte für aufgesetzt zu halten?

Natürlich unterscheidet sich die Sprache, die im Buch benutzt wird, von der, die ich als Jugendlicher gesprochen habe – das Buch spielt 1949. Aber Slang-Ausdrücke und zur Allgemeinheit gegensätzliche Ansichten schaffen Gleichheit. Salinger versteht es dabei, in seinem einzig je veröffentlichten Roman, elegant Message hinter der Oberfläche zu platzieren. Wahrscheinlich sind die tieferen Bedeutungen aber allesamt auch sorgfältig herausgearbeitet worden, denn Salinger soll sehr lange für die Erstellung des Romans gebraucht haben. Manche Quellen sprechen von zehn Jahren.

Die paar Tage, die der Leser mit dem Jungen erlebt, führen ihn durch verschiedene Gefühlswelten, die immer wieder abrupt wechseln und die Sprunghaftigkeit der Figur aufzeigen. Besonders spannend wird dieser Aspekt im zweiten Teil des Buches, als Holden’s Situation sich leicht zuspitzt und man das Gefühl bekommt, jetzt hat er ernsthafte Probleme. Hier, aber auch schon in Situationen vorher im Buch, zeigt sich, wie gut der Autor mit der Situation „spielt“.

Das Buch hat mir wirklich sehr gefallen, weil es eben mal etwas anderes ist. Man liest nicht von jemandem, der entweder in einem Psychothriller von einer Gefahr in die nächste rutscht oder einem Krimi, der die Szenen so ineinander verwebt, dass man am Ende einen Aha-Effekt erlebt. Es handelt sich um einen lineare Geschichte, deren Sinn sich wirklich bis zum Schluss nicht ganz ergibt, der dann aber umso schöner ist.

Ein Funken Theorie

Es handelt sich bei „Der Fänger im Roggen“ um einen inneren Plot, der die Entwicklung der Figur in den Vordergrund stellt. Das, was in der Welt geschieht, lässt den Charakter wachsen und treibt ihn in seiner persönlichen Entwicklung voran. Die Handlung wäre ersetzbar, nur das, was als Symbolik dahintersteckt, ist entscheidend und für den Roman von entscheidender Bedeutung. Der innere Plot lässt sich gut zu einem äußeren Plot abgrenzen, wenn man sich z.B. einen Actionroman anschaut. In diesem geht es um Kampfszenen und spannende Wendungen bei Konflikten gegenüber anderen Personen, nicht aber dem Selbst – wie bei Holden. Hier wird die Einordnung von „Der Fänger im Roggen“ noch einmal ein bisschen deutlicher.

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