Neues Land, alte Liebe – Nordengland

Am Tag vor der Abreise habe ich mich noch darüber beschwert was für einen frühen Flug wir herausgesucht haben und dass ich einfach keine Lust habe so früh aufzustehen. Einzig die Lust auf England, auf den Fußball und die neuen Städte hat mich morgens um 4:30 Uhr aus dem Bett aufstehen lassen. Nachdem ich den Rucksack gepackt hatte, habe ich mich auch schon auf den Weg zum Flughafen gemacht um mich mit meinem Kumpel zu treffen – wir sind zu zweit gereist.

Um 6 Uhr standen wir dann an der Passkontrolle und kurz danach begann direkt das Boarding. Das Timing war super, wir haben kaum warten müssen! Um 6:50 Uhr ist unsere Maschine (Flug mit Eurowings für knapp 13€ p.P.) dann Richtung Manchester gestartet. Wegen des schlechten Wetters und des Überflugs auf die Insel haben wir mit Turbulenzen gerechnet, die aber ausgeblieben sind. Nach 1:15h sind wir in Manchester gelandet, wo es noch dunkel war (7:05 Uhr UK-Zeit). Ab da an waren wir völlig durcheinander, weil wir unsere Armbanduhr vergessen haben umzustellen. Bzw. hätte es sich für die 4 Tage doch gar nicht gelohnt.

Vom Flughafen kommt man kinderleicht mit der Bahn in die Innenstadt, wo unser Hotel war. Bis Manchester-Piccadilly braucht man vom Flughafen nicht einmal 30 Minuten. Nach dem Einchecken im Hotel haben wir uns erstmal auf den Weg gemacht um etwas zu essen. Wir sind zum Arndale Shopping Center gegangen, wo wir im Food Court bei „Di Maggio’s“ ein Full English Breakfast genießen wollten (5,45€). Dies blieb uns aber verwehrt denn das Frühstück dort war abartig schlecht. Danach brauchten wir erstmal ein bisschen Ablenkung und haben uns die Sneakerläden von Manchester angeguckt. Natürlich sind alles bekannte Ketten und man sieht immer die selben Schuhe in den selben Farben, aber als Fan braucht man das nach so einem Frühstück. Was Shopping angeht scheint Manchester aber schon was bieten zu können, auch außerhalb von Footlocker, Size? oder JD. Zum Beispiel ziert ein Primark-Logo eine riesige Fassade und lässt auf einen mehrstöckigen Laden hindeuten. Es gibt ja auch genug Fans der Kette. Auch die Möglichkeiten zum Essen gehen oder Kaffee trinken lassen keine Wünsche offen.

Direkt im Anschluss musste ich endlich zum Old Trafford, dem Fußballstadion von Manchester United, fahren, was etwas außerhalb der Stadt liegt. An der Rezeption im Hotel hieß es, es würde 3,9km entfernt sein. Mit der Metro Richtung Altrincham dauert es dann so 20 Minuten zur Haltestelle „Old Trafford“ von wo man noch etwas durch die Rotklinkersiedlung läuft, in der das Stadion liegt. Ich finde es immer interessant zu sehen wo das „Revier“ eines Vereins beginnt. Hier zum Beispiel dort wo die ersten Kneipe in den Vereinsfarben zu sehen ist. Dieses wirklich charmante Stadion passt ziemlich gut in die Siedlung und fügt sich gut ein. Nachdem wir uns das Museum von United und das Red Café (stadioneigenes Café) angeschaut haben sind wir einmal ums Stadion gelaufen und mit der Metro wieder in die Stadt gefahren. Die Müdigkeit durch das frühe Aufstehen hat uns zurück ins Hotel getrieben wo erstmal gechillt wurde. Auch wenn es für Nicht-Fußballinteressierte komisch klingt macht man als Fan solche Ausflüge und das sollte auch nicht der letzte (für diesen Tag) bleiben.

Nach der Pause hatte mich dann die Lust gepackt und ich wollte unbedingt noch das zweite große Stadion, das Etihad Stadium, anschauen. Also fuhren wir in den Osten Manchesters bis zur Station „Etihad Campus“ und liefen hoch zum Stadion, welches sehr dezent beleuchtet war. Auch hier sind wir einmal ums Stadion gelaufen und haben uns alles angeschaut. Ein Museum haben wir nicht entdeckt, was es aber gibt. Stellte sich im Nachhinein heraus. Der Shop war cool und ich bin immer wieder erstaunt wieviel Merchandise jeder Club hat. Von den üblichen Sachen wie Kaffeebechern, Pullover oder Handtüchern bis hin zu Powerbanks, Bettwäsche, Golfzubehör oder Wollmützen findet man in den meisten Stores wirklich alles – echt cool!

Über eine Brücke auf der Ost-Süd-Seite des Stadion kommt man zum Academy Stadion, wo das Aufwärmen für ein Amateurspiel stattfand. Wir wurden für 3$ eingeladen uns das Spiel anzugucken, aber haben abgelehnt weil wir keine Stunde warten wollten. Nach einem Snack ging es dann zurück in die Stadt um wieder zu essen. Diesmal haben wir uns, mit dem Wissen, dass das Essen nicht mega gut sein wird, einen Pub rausgesucht der uns gemütlich vorkam und in dem wir unser Bier tranken.Aber dann war wirklich Schluss und wir sind zurück ins Hotel wo wir direkt schlafen gegangen sind.

Gelaufen: 15,5 Kilometer.

Fahrt in den Norden Englands – Newcastle Upon Tyne

Der nächste Tag startete mit einem guten Frühstück und Kaffee. Danach habe ich mich ein wenig mit meinen Aufgaben der Uni gewidmet und in der Lounge des Hotels gesessen, die mir sehr gut gefallen hat!

Gegen Mittag sind wir dann rüber zur Station „Manchester-Piccadilly“ gegangen und haben am Automaten unsere Zugtickets für den Trip nach Newcastle gedruckt. Kurz danach fuhr dann der Zug auch schon ab und wir waren innerhalb von 2,5h, mit einem Umstieg in York, in Newcastle. Dort angekommen hat mich erstmal der Bahnhof überrascht, der echt gut aussah und das Stadtbild „angekündigt“ hat. Das Hotel war fußläufig zu erreichen und die Strecken sahen auf Google Maps einfach nur lang aus, was sie in so einer kleinen Stadt wie Newcastle ja nicht sind. Das merkten wir dann auch…

Nach unserem Check-In für zwei Nächte und der Einladung zur 1-Jahres-Jubiläumsparty des Hotels haben wir uns auf den Weg in die Innenstadt gemacht um was Essen zu gehen. Letztens Endes sind wir dann bei einem Restaurant gelandet, was uns im Hotel empfohlen wurde und wo wir Rabatt erhalten haben (wenn man über 30$ gekommen ist, hat man 10$ Rabatt bekommen). Der Laden hieß Red’s und hatte Burger, Ribs, Wings und alle anderen typisch amerikanischen Gerichte im Angebot, es ist sehr zu empfehlen! Nach diesem herrlich stärkendem Essen kehrten wir ins Hotel zurück wo die Party schon in vollem Gange war. Sie ging ohnehin nur bis 21 Uhr. Alle Getränke waren kostenlos und es gab zwischendurch immer Snacks, die auf Tablets serviert wurden. Der Abend war echt cool und da viele Angestellte aus anderen Hotels da waren wurde es irgendwann auch echt voll. Der Roulettetisch hat natürlich auch nicht dazu beigetragen, dass die Lounge sich vor 21 Uhr geleert hätte – gute Organisation!

Als die Party zu Ende war haben wir Lust bekommen was zu unternehmen und sind raus um uns eine Bar oder einen Club zu suchen, es war Donnerstagabend. Was wir nicht wussten ist, dass Newcastle das Mallorca Englands ist und man fast jeden Tag feiern gehen kann. Das wurde auch deutlich als wir aus dem Hotel gingen und die ganzen Engländer in eine Richtung schwärmten. Wir wurden neugierig und folgten den Kleingruppen in ihren Partyoutfits. Kurze Zeit später standen wir auf einem Platz an den 2-3 Clubs grenzten. Vor den Türen schoben sich endlose Schlangen hin und her. Wir hatten das Gefühl, das alle auf einem sehr guten Pegel waren und die Männer meist schon etwas drüber. Weil wir keine Lust hatten uns anzustellen setzten wir uns auf eine Bank auf diesem Platz und schauten den Leuten zu. Das war besser als jede Comedyshow! Wir saßen knapp 10 Minuten auf der Bank als zwei Engländer (18 und 20 Jahre) sich neben uns auf die Bank setzten und nach einem Feuerzeug fragten.

20 Jähriger: Jungs, habt ihr ein Feuerzeug?

Ich: Nein, sorry.

20 J.: Woher kommt ihr?

Mein Kumpel: Aus Hamburg, Deutschland.

Der 18 Jährige guckte uns an und man hat ihm so sehr angesehen, dass er alles zurückgehalten musste was er in sich hatte. Er konnte deshalb leider vorerst nicht an der Konversation teilnehmen.

20 J.: Ah cool. Was macht ihr hier?

Kumpel und ich: (Erzählen von unserem Trip)

Der 18 J. schaltet sich doch ins Gespräch ein, denn wie wir später merkten hatte er einen Geistesblitz: Ah aus Deutschland? Moment… Bonjour!

Kumpel: Nein, das ist französisch.

18 J.: Oh ok. Dann: Como …?

Kumpel: Das ist Spanisch und Französisch.

18 J. konnte schon fast nicht mehr reden, weil ihm so übel war: GUTEN TAG!

Schrie er uns an und wir lachten.

Ich: Ja, guten Tag.

20 J.: Er ist ein bisschen voll, wir gehen mal nach Hause.

Nach 5 weiteren Gesprächen mit den beiden, die alle nicht von uns aus gingen, sind sie dann abgehauen und das hoffentlich nicht Richtung Club.

Nur mal ein Beispiel für maßlose Intelligenz. Hier folgt ein zweites, nicht ganz so ausführliches:

Wenig später kamen dann noch eine Gruppe Engländer, die wohl auf Krawall aus waren und ordentlich einen im Tee hatten. Der eine wollte wissen weshalb wir vorm Club sitzen und nicht drinnen sind und natürlich welchen Fußballclub wir mögen. In England ist das überkrass. Wenn wir da nicht Newcastle United gesagt hätten, hätten wir uns wahrscheinlich verteidigen müssen. Nachdem wir die Gruppe dann abwimmeln konnten sind wir zurück zum Hotel und ins Bett, denn der nächste Tag sollte sehr lang werden.

Gelaufen: 6,3 Kilometer

Der St. James’ Park

Der nächste Tag startete wie gewohnt mit einem guten Frühstück und Cappuccino. Einen Plan hatten wir auch für diesen Tag nicht wirklich bis ich mir überlegte eine Stadiontour durch den St. James’ Park, das Stadion von Newcastle United, zu machen. Die Tour begann um 12:30 Uhr weshalb Zeit war gemütlich zum Stadion zu laufen, welches mitten in der Stadt liegt und super angebunden ist.  Bei den ganzen kleinen Gassen verliert man aber schnell die Orientierung und da die Häuser so hoch sind kann man das Stadion leider auch nicht herausstechen sehen. Als ich Chinatown verließ tauchte der riesige St. James’ Park dann auf einmal vor mir auf. Mit seinen mehr als 52.000 Plätzen ist es eines der größten Stadien in England und der höchste zugängliche Punkt in Newcastle von dessen oberster Sitzreihe man sogar, bei gutem Wetter, das Stadium of Light, das Stadion des Erzrivalen Sunderland, sehen kann. Die Dame, die uns durchs Stadion geführt hat war sehr lustig und es hat Spaß gemacht ihren Erzählungen zuzuhören. Im Gegensatz zu anderen Stadion darf man bei Newcastle überall rein, in die Heimkabine, die Logen und sogar auf die 8 besten Plätze im Stadion auf denen zum Beispiel die Besitzer von Newcastle oder der englische Nationaltrainer Platz nehmen. Lustig fand ich besonders dass Newcastle mehr Saisontickets verkauft haben soll, als Sunderland und Middlesbrough zusammen, obwohl beide in der 1. Liga spielen und Newcastle noch nicht.

Auch die Fakten über die Auswärtskabinen der anderen englischen Teams war irgendwie amüsant. Die Teams lassen sich echt viel einfallen um den Gast psychisch unter Druck zu setzen. Burnley hat in der Gästekabine zum Beispiel nur Stühle und keine Bänke, Everton hat keine Türen vor den Toilettenkabinen und in der Gästekabine von Sunderland steht ein Pfeiler mit den Entfernungen zu den nächstgelegenen Krankenhäusern. Arsenal hat die Gästekabine komplett in grau tapeziert und einen riesigen Tisch in der Mitte so dass der Trainer keine Ansprache vor allen Spielern gleichzeitig halten kann. Die Führung hat 15$ gekostet und 1,5h gedauert. Sie ist ihr Geld echt wert.

Abends gab es dann, nach dem Bayernspiel gegen Freiburg, mal was Asiatisches in einem Restaurant nahe des Tyne wo wir danach noch rübergelaufen sind und uns Gateshead (die Nebenstadt) angeguckt haben.

Der letzte und gleichzeitig vielleicht sogar längste Tag meines Lebens brach an diesem Morgen an und wie gewohnt sollte das Frühstück eine gute Basis für den Tag schaffen. Nur hatte natürlich keiner auf dem Schirm das Wochenende war und wir ne Stunde später frühstücken können. Vollkommen müde ging ich also um 9 Uhr zum Frühstück und um kurz vor 10 Uhr habe ich mich gefragt, ob mein Kumpel gar nicht mehr kommt. Also nahm ich ein bisschen was vom Buffet und brachte es ihm hoch. Natürlich dachte er genau wie ich das das Frühstück nur bis 10 Uhr geht. Als wir dann mit’m Cappuccino vorm Fernseher saßen fiel uns ein dass ja Samstag ist. Voll der Stress für nichts also.

Naja, war ja egal weil wir so die Zimmer noch nutzen konnten, denn um 12 Uhr war erst Check-Out und vorschlafen für den Tag war also eine gute Beschäftigung für diese Zeit. Danach hockten wir uns ein wenig in die Lounge und lernten für die Uni. Eigentlich saßen wir fast den ganzen Mittag dort und unterhielten uns bis wir uns irgendwann die Beine vertreten wollten und in die Stadt gingen. „Nur gucken“ sagten wir uns selbst, aber natürlich bleib es dabei nicht. Nach einem Lauf durch die Innenstadt und durch die Grey Street ging es zurück ins Hotel, welches in der Straße „High Bridge“ lag.

Ein endloser Tag

Um 21 Uhr fuhr dann unser Bus von Newcastle ab. Eigentlich hatten wir eine Bahnfahrt gebucht aber ich habe es so verstanden, dass die Bahnen an den Samstagabenden gar nicht fahren weil das Passagieraufkommen so gering ist, dass es sich nicht lohnt und sie deshalb zu diesen Zeiten auf vielen Strecken Wartungsarbeiten durchführen. Die Busfahrt war aber auch cool und man sah ein bisschen mehr vom dunklen England. Als wir in Darlington ankamen war es 22:10 Uhr und wir hatten ein wenig Zeit um von dort in den Zug nach Manchester Airport zu steigen. Um 22:30 verließen wir dann Darlington in einem fast leeren Zug. Wir hatten einen Waggon für uns alleine und konnten laut Musik hören. Erst in Leeds wurde der Zug voller und wir mussten die Sitze für Leute freimachen, die anscheinend vom Feiern kamen und nach Hause fuhren. Es war erst circa 23:15, sowas gibt es in Deutschland nicht. Dazu muss man aber auch sagen, dass es der letzte Zug nach Manchester war. Über Dewsbury und Huddersfield ging es dann nach Manchester-Piccadilly wo die meisten ausstiegen. Um 0:46 Uhr erreichte der Zug dann den Airport von Manchester und wir hatten noch rund 6 Stunden bis unser Flug ging.

Dort angekommen holten wir uns beim 24h-Supermarkt von den letzten Pfund ein Baguette und setzten uns auf die Stühle direkt vorm Eingang des Flughafens. Dort ging die automatische Tür aber ständig auf und es wurde kalt. Deshalb gingen wir nach oben zum Check-In Schalter wo schon etliche Leute lagen und schliefen. Wir setzten uns hin. Dann mussten wir uns entscheiden ob wir schlafen oder wach bleiben. Ich entschied mich für Letzteres. Etwa eine Stunde später kam ein Mann zu uns und wollte uns überfreundlich zeigen wo der Sicherheitscheck ist und wann wir uns am besten anstellen. Aber wer muss um 3:45 Uhr durch die Sicherheit wenn der Flug um 6:40 Uhr geht?

Wir ließen uns von ihm zum 10m entfernten Sicherheitscheck bringen und ich glaube es hat ihn sehr glücklich gemacht zu helfen…

Nach zwei weiteren Stunden in der Lobby des Flughafen sind wir zum Gate und es ging zurück nach Hamburg. Der Flug war sozusagen mein Nap, denn ich habe nicht einmal mitbekommen wie wir gestartet sind. Erst kurz vor der Landung bin ich aufgewacht und war komplett fertig. Ich bin auch aus dem Flughafen, mit dem Ziel direkt zuhause schlafen zu gehen, gegangen, woraus aber nichts wurde weil ich mich natürlich vorsorglich verabredet habe um dafür keine Zeit zu finden. Also musste ich den Tag wohl ohne Schlaf rumkriegen, was erstaunlich gut geklappt hat. Ich bin nachts um 1 Uhr erst schlafen gegangen und war wieder voll im Rhythmus.

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