In der New-York-Trilogie von Paul Auster verbergen sich, wie der Name schon andeutet, drei Geschichten.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war diese Art von Geschichten neu, sehr innovativ. Paul Auster hat ein neues Genre geschaffen und Detektivgeschichten revolutioniert. So weit würde ich sogar gehen.
Am Anfang steht meist ein Fall, ein Mysterium, dem der Protagonist nachgeht. Er forscht, beobachtet und notiert. Die Geschichte nimmt ihren Lauf, verschlingt sich ineinander und der Protagonist scheint sich in der untersuchten Sache zu verlieren. Ebenso tut es der Leser. Es gibt keinen Anhaltspunkt für die Lösung des Rätsels, spannend einerseits, frustrierend andererseits.
Ich empfehle die Geschichten in der Reihenfolge zu lesen, wie sie abgedruckt wurden. Ergänzend dazu hat mir die Biographie von Auster geholfen, da sich Parallelen dazu in den Geschichten erkennen lassen. Hier ein kurzer Anriss: Von seiner ersten Frau trennte sich Paul Auster. Ihr gemeinsamer Sohn war in der Jugend und noch weit darüber hinaus sehr problematisch. Er verbrachte mehrere Jahre im Gefägnis, bevor er mit nur 44 Jahren an einer Überdosis starb.
Auch zu viel Zeit zwischen den Geschichten würde ich nicht lassen. Ein Hinweis für die Zeit nach dem Lesen: Über alle Geschichten ganzheitlich nachdenken. Mehr verrate ich nicht.
Mich hat das Buch beeindruckt und ich habe viel über die Geschichten nachgedacht.
Noch ein paar Worte zu den drei Geschichten:
Stadt aus Glas:
Sie ist die erste der Geschichten und ein passender Einstieg. Geschriebeb ist sie aus der ersten Person, kurz nach Start taucht jedoch Paul Auster als Charakter auf. Der Protagonist wird am Telefon gefragt, ob er selbst Auster sei. Er verneint. Verwirrung macht sich breit. Als der Anrufer erneut anruft, nimmt Daniel Quinn den Auftrag des Mannes an, der diesen eigentlich an Auster geben wollte.
Der Auftraggeber von Quinn lebt in Angst. Er ist in seiner Kindheit Opfer seines Vaters geworden, der ihn einsperrte, um zu testen, welche Sprache ein Mensch lernt, wenn er keinen Spracheinflüssen ausgesetzt ist.
In einigen Tagen wird sein Vater aus dem Gefängnis entlassen. Nun vermutet der Mann, dass er sich an ihm rächen könnte und beauftragt Daniel Quinn damit, seinen Vater zu beschatten.
Die Geschichte endet überraschend.
Schlagschatten:
Ich habe in vielen Rezensionen gelesen, dass diese Geschichte die zähste sein soll. Das kann ich nicht teilen. Die Geschichte ist abstrakt und lässt Interpretationsspielraum, passt aber super in die Trilogie und das Gesamtkonzept.
Blue wird von White damit beauftragt, Black zu beschatten. Auch hier wieder der Beginn einer Detektivgeschichte.
Nach einiger Zeit merkt Blue, dass Black nur an seinem Schreibtisch sitzt und er, von der Wohnung auf der anderen Straßenseite, die White ihm zur Verfügung gestellt hat, ihm nur dabei zuguckt, wie er schreibt.
Blue wundert sich, interpretiert seine Aufgabe zunehmend freier und interagiert schließlich mit Black. Er tritt aus der Dunkelheit als Beobachter.
Was nun passiert, solltest du selbst lesen.
Hinter verschlossenen Türen
Vom Klappentext her mochte ich diese Geschichte am liebsten. Im Endeffekt sind alle drei aber ziemlich auf einer Ebene.
Wieder ein Detektivsetting: Der Protagonist ist Schriftsteller in New York und wird eines Tages von der Frau seines ehemaligen besten Freundes angerufen. Ihr Mann ist verschwunden und der Protagonist hat die Aufgabe, die Romane und Gedichte des Mannes, der Fanshawe heißt, zu veröffentlichen. Jedoch nur, wenn er diese für eine Veröffentlichung geeignet hält.
Dies tut er.
Doch nicht nur das, sondern auch die Frau von Fanshawe, Sophie, spricht ihn an. Sie beginnen eine Liebesgeschichte.
Am Ende der Geschichte steht nicht das, was man erwartet. Auch in dieser Geschichte verlieren sich die Stränge und finden am Ende doch irgendwie wieder zusammen.
Fazit
Das Buch ist eine klare Empfehlung von mir!
Es liegt auf meinem Nachttisch und wartet darauf, nochmal von mir gelesen zu werden.
Es wird nicht wieder 10 Jahre dauern, bis ich es in die Hand nehme. Denn so lange stand es in meinem Bücherregal, bevor ich mir überhaupt die Rückseite angeschaut habe…