Vom Leben und der Liebe

Der Titel Vom Ende der Einsamkeit gibt einiges her. Er macht Lust aufs Lesen und gehört für mich zusammen mit Titeln wie Die Entdeckung der Langsamkeit oder Zärtlich ist die Nacht in die Kategorie „Schönste Titel“. Benedict Wells gibt dem, was den Leser auf ca. 360 Seiten erwarten wird, einen Oberbegriff und dieser passt – wie sich am Ende herausstellt – ziemlich gut.

Jules erzählt uns sein Leben. Er hatte mit Mitte Vierzig einen Motorradunfall und resümiert wichtige Ereignisse der Jahre seit seiner Kindheit. Daher ist das Hauptwerkzeug, das Wells hier nutzt, die Rückblende. Gemischt ist sie mit Blicken in die Gegenwart, bis sich alles zu vermischen scheint. Auch wenn am Ende nicht alles geklärt ist, ist diese Art des Handwerks eine überaus komplexe und der Roman macht durch seine Struktur Lust aufs Weiterlesen.

Beim Inhalt sieht es dagegen etwas anders aus. Jules Eltern sterben früh. Er und seine zwei Geschwister kommen auf ein Internat, die Wege trennen sich, finden wieder zusammen, trennen sich erneut…
Jules lernt Alva kennen und merkt erst gar nicht, dass er sich in sie verliebt. Über die Jahre gibt es immer wieder kleine Funken bei Begegnungen zwischen den beiden. Der Mix aus biografischem Erzählen gepaart mit einer Liebesgeschichte, die Jules ganzes Leben einhüllt, kommt an sich sehr gut. Die Charaktere tragen Freude und Trauer in sich – wie im echten Leben. Sie sind wahnsinnig gut gezeichnet und auch wenn ich die Geschichte an sich nicht sonderlich ansprechend fand, habe ich schon bei diesem ersten Buch, das ich von Wells gelesen habe, einen guten Eindruck von der feinen Beherrschung des Handwerks dieses jungen Autoren bekommen.

Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte ich den Roman vermutlich weggelegt, wäre meiner Prämisse gefolgt und hätte noch einen zweiten vom ihm gelesen und wenn dieser mir ebenfalls nicht zugesagt hätte, wäre ich vermutlich literarisch weitergewandert.

Vom Ende des Einsamkeit habe ich vor einigen Wochen gelesen, weshalb ich nun mit einiger Reflexion schreiben kann, dass es gar nicht so schlecht war, wie ich damals dachte. Schönes Kompliment für ein Buch, an dem jemand sieben Jahre gearbeitet hat, oder?

Fazit

Probier es aus! Wenn du eine klare Struktur liebst, dir Liebesgeschichten zusagen, in denen Kitsch wenig Platz findet, und du dich in einen Roman mit Biografiehauch (es ist wirklich nur ein Hauch) entführen lassen willst, rate ich dir zu diesem Buch. Sollte das nicht deins sein, schau dir lieber eines seiner anderen Werke an.

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Ein Gedanke zu “Vom Leben und der Liebe

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