Genau an dem Tag, an dem ich diesen Beitrag ursprünglich veröffentlichen wollte, gab es einen Anschlag mit mehreren Toten am Bondi Beach, der der jüdischen Gemeinschaft gegolten haben soll. Das war am 14.12.2025. Meine Gedanken sind bei den Opfern und deren Familien.
Es ist zwar schon etwas her, dass ich in Sydney war und einen alten Freund traf, aber ich wollte diesen Beitrag nicht untergehen lassen, weil er sich so viel Mühe mit dieser Tour gegeben hat und sie es wert ist, hier geteilt zu werden.
Neben dem Besuch vieler Restaurants und Sehenswürdigkeiten spazierten wir am dritten Tag in Sydney einen Teil der Küste entlang, der mich sehr beeindruckt hat. Nicht nur wegen der überwältigenden Aussicht über den Ozean, sondern auch wegen des australischen Vibes und einer Geschichte von einem Hai in einem Swimmingpool.
Jetzt, fast zwei Jahre später, wenn ich über diese Orte nachdenke, habe ich Buchassoziationen. Daher habe ich in den folgenden Absätzen drei Buchanspielungen versteckt.
Wieviele findest du? Du kannst es am Ende des Beitrags überprüfen. Schreib mir einen Kommentar!
Von Süden nach Norden
Gordon’s Bay
Wenn man in seinem Leben nur eine Bucht sehen dürfte, wäre diese hier auf jeden Fall in der engeren Auswahl. Der Abstieg von der Straße ist steil. Auf den Felsen liegen Sonnenbadende, sie lesen oder hängen am Handy. Ein Mann ist in den einzigen Roman von Edgar Allen Poe vertieft und hält ihn dabei liegend in die Luft, als würde er das Cover der Sonne zeigen wollen. Das Wasser ist noch warm vom Sommer. In Australien ist gerade Wintereinbruch. Wir gehen ins Wasser und schwimmen eine Runde, sitzen danach auf den Steinen und reden über die Netze vor Sydneys Buchten, die den Badenden die Angst vor Haiangriffen nehmen sollen.

Clovelly Beach
Nach einer Weile gehen wir weiter. Der Holzsteg führt uns um das Kliff. Langsam tut sich vor uns ein weiterer Strand auf, eingerahmt von einer brusthohen Steinmauer. Der Holzsteg wird zum Steinweg. Wir gehen an der Mauer entlang. Laut meinem Kumpel lohnt es sich nicht, hier zu bleiben. Es kommen schönere Orte. Die tiefe Wasserzunge, die in regelmäßigen Abständen Wasser Richtung Land drückt, ist beeindruckend und ich würde sie gerne noch eine Weile beobachten. Aber ich vertraue auf sein Wort und folge ihm.


Das Stück des Weges, das jetzt kommt, ist magisch. Die Klippen ziehen sich weit aufs Meer hinaus, der schmale Weg führt über Felsen, bis unzählige kleine Steine auf einer eingezäunten Grasfläche auftauchen. Die Sonne glitzert auf ihnen, ein natürliches Lichtspiel. Wir stehen vor dem Waverley Friedhof, von dem die Toten einen fantastischen Ausblick auf das Blau haben.

Bronte Beach
Der Mond steht hoch am Himmel, direkt neben der Sonne. Beim ersten Hinsehen sieht es so aus, als wären es zwei Monde. Der Bronte Beach ist größer als die vorherigen. Im Sand ist ein Volleyballfeld abgesteckt. Ich bekomme Lust mich daneben zu setzen, ein Buch zu lesen, und den Menschen ab und zu beim Spielen zuzusehen. Aber wir haben andere Pläne. Ein Stück die Straße hoch gibt es eine kleine Bar. Der Caipirinha soll perfekt sein, verspricht mein Kumpel. Ebenso wie das Drink, sind auch die kleinen Tapas köstlich.


Tamarama Beach
Der Tamarama Beach ist von hohen Felsen eingeschlossen und doch fühlt man sich nicht eingeengt. Die Brandung ist stark, wir stehen auf den Felsen neben dem Strand und schauen den Wellen dabei zu, wie sie an dem Stein zerschellen. Mittlerweile geht die Sonne unter. Menschen sitzen auf den Klippen, trinken etwas und schauen in die Ferne. Ein gelber Schleier legt sich über den Horizont. Der Himmel ist wolkenlos. Diese Stimmung zu beschreiben ist ganz schwer, denn sie besteht nicht nur aus der Wärme der Luft, dem, was man sieht, sondern auch aus den Menschen um einen herum. Sie haben eine weitschweifige Lässigkeit, ganz anders als wir Europäer. Sie geben einem das Gefühl, sich dazusetzen zu wollen.
Auf dem Weg zum Bondi Beach geht es weiter an den Felsen entlang. Genau hier ereignete sich vor gar nicht all zu langer Zeit eine sonderbare Geschichte. Während eines wilden Wellengangs in einer dunklen Nacht wurde ein Hai in ein direkt an der Küste liegendes öffentliches Schwimmbecken gespült. Als um 6 Uhr, die ersten Menschen dort ihre Bahnen zogen, war es noch dunkel. Keiner bemerkte den Hai. Erst als es hell wurde, meldeten Badegäste das Tier. Es wurde mit einem Netz gefangen und freigelassen. Keiner wurde verletzt. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Aber ich mag die Geschichte!

Bondi Beach 🕊️
Der bekanntes Strand auf der Route. Hier tummeln sich viel mehr Menschen als auf den vorherigen Stränden. Mittlerweile ist es zwar schon fast dunkel, aber ich kann mir vorstellen, dass hier tagsüber noch mehr los war. Der Strand ist wieder von einer Mauer eingerahmt. Über Treppen kommt man auf die Straße. Vor den Treppen tanzt ein Mann mit einem Bauchladen zwischen den Menschen umher, die den Strand verlassen. Er preist seine Snacks und Getränke an, will sie mit seinen Angeboten einfangen und sie so am Strand behalten. Doch keiner kauft etwas bei ihm. Ich stelle mir vor, wie er sie daran erinnert, dass sie, wenn sie die Schwelle zur Stadt überschreiten, wieder dem Alltagsstress ausgeliefert sind. Er meint es nur gut.
Der Mann ist dünn. Der Bauchladen wirkt viel zu schwer für ihn. Als gerade niemand mehr in seine Richtung kommt, setzt er den Bauchladen ab und lässt sich daneben in den Sand fallen. Er schaut aufs Meer hinaus. Ich habe nicht den Eindruck, dass er an seiner Aufgabe verzweifelt. Er nimmt sich einen Schokoriegel und beißt hinein. Eine Familie läuft an ihm vorbei. Der Vater gibt seiner Tochter etwas in die Hand, die Tochter reicht es dem Mann weiter. Dieser lächelt, mit aller Freude, die er aufbringen kann, und steckt es ein.



Jetzt ist es zu spät zum Schwimmen – na toll. Außerdem haben wir Hunger. Mein Kumpel kennt ein gutes südamerikanisches Restaurant (ich glaube, er sagte es sei chilenisch oder argentinisch). Es soll gleich um die Ecke sein. Wir laufen hin. Leider hat es zu. Deshalb nehmen wir den Bus zurück in die Innenstadt und gehen malaiisch essen, was ich sehr empfehlen kann. Leider weiß ich nicht mehr, wie das Restaurant heißt. Aber überall in Sydney kann man wirklich außergewöhnlich gut essen.
Der Tag endet in einer kleinen Sake-Bar, in der wir lernen, wie man richtig Sake trinkt. Leider habe ich es direkt wieder vergessen.
Buchanspielungen in diesem Beitrag
Edgar Allen Poe – Artur Gordon Pym
Das einzige der drei Bücher, das ich selbst noch nicht gelesen habe, und der einzige Roman von dem berühmten Schriftsteller. Ich habe aber schon viel über das Buch gehört und es soll eine sehr spannende Seefahrer-Geschichte sein, inspiriert von Robinson Crusoe und der Schatzinsel.
Haruki Murakami – 1Q84
Ein umfangreiches Werk mit mehreren tausend Seiten. Ich empfehle es als Hörbuch. David Nathan liest das Buch und hat eine tolle Stimme. Das zentrale Motiv in dem Roman sind zwei Monde, die die Protagonisten zwischen zwei Welten reisen lassen. Eine obskure Geschichte, an deren Schneide durch einen nach links oder rechts guckenden Tiger auf einer Werbereklame entschieden wird, in welcher Welt man sich gerade befindet. Experimentelle Geschichte für Menschen mit langem Atem.
J.D. Salinger – Der Fänger im Roggen
Tatsächlich eines meiner Lieblingsbücher. Der 16-jährige Holden Caulfield wird aus der Schule geschmissen und muss ein Wochenende umbekommen, bevor er nach Hause kommt, weil dann die Sommerferien anfangen, damit seine Eltern nicht herausfinden, dass er sich einen Verstoß geleistet hat. Ikonisch ist die dem Roman seinen Namen gebende Szene, in der Holden sich vorstellt, er würde