Plastikvereine im Fußball: Verschandelung eines Traditionssports?

Im Laufe der Jahre hat sich der Bereich „Sport“ sehr verändert. Techniken sind moderner geworden und auch die Mentalität der Fans und der Sportler hat sich gewandelt. Besonders im Fußball gibt es seit der Jahrtausendwende eine ganz andere Herangehensweise an viele Sachen. Transfers werden teurer, Stadien größer und moderner, die Nation immer fußballbegeisterter, was viel mit der WM 2006 zu tun hat, und der Eingriff von Unternehmen als Sponsor wird immer wichtiger für den Profifußball.

Fakt ist, dass der Fußball zum Geschäft geworden ist. Das sieht man an den Fernsehgeldern, an den Sponsoren, die riesige Summen an die Clubs zahlen um auf dem Trikot getragen zu werden, und auch an den immer teurer werdenden Eintrittskarten. Die Clubs verdienen immer mehr und geben aber gleichzeitig auch immer mehr aus. Das ist ein Kreislauf, denn je höher die Summen für Transfers werden desto mehr müssen auch die Fans für ihren Eintritt ins Stadion bezahlen. Natürlich spielt auch die Konkurrenz aus dem Ausland, besonders aus England, hierbei eine große Rolle, da die Fernsehgelder dort deutlich höher sind. Zum Vergleich: In der Saison 2014/15 hat Chelsea, als Erster der Premier League 134,3 Millionen € und Bayern, als Erster in der Bundesliga 50,6 Millionen €, erhalten.¹ Auf diese Konkurrenz möchte ich an dieser Stelle aber nicht weiter eingehen.

Die Bundesliga hat als zweierfolgreichste Liga, wenn man nach der 5-Jahres-Wertung der FIFA geht, einen guten Stand im europäischen Fußball und somit sollten die Vereine keine Probleme haben Sponsoren zu finden. Also sollten eigentlich genug finanzielle Mittel zur Verfügung stehen um schuldenfrei zu sein, eigentlich. Doch viele Vereine in der Bundesliga sind verschuldet, manche sogar sehr hoch. In Deutschland haben komischerweise viele Vereine aus Großstädten Probleme im Bereich Sponsoring. Der HSV , VfB Stuttgart, Hannover 69 und Eintracht Frankfurt sind finanziell nicht so gut gestellt, wie man es denken würde. Gerade in Hamburg und in Frankfurt gibt es viele große Unternehmen, die theoretisch als Sponsor fungieren könnten. Doch warum tun sie es nicht? Ich glaube, dass das Image ein großes Problem ist. Die vier oben genannten Vereine haben in den letzten Jahren alle gegen den Abstieg gekämpft und auch diese Saison sah es ja nicht anders aus, weshalb Investoren bei einem Abstieg mit großen Verlusten rechnen müssen und ihr Geld raushalten. Andere Vereine sind trotz des immer wiederkehrenden Verlusts finanziell gut gestellt. Die Sponsoren sind dann aber in der Regel die Besitzer oder Hauptanteilseigner des jeweiligen Vereins, wie bei Bayer 04 Leverkusen oder dem VfL Wolfsburg.

Oft liest man im Internet von so genannten „Plastikvereinen“, die „aufgrund des Geldes bestehen und keine Tradition haben“. Sie würden mithilfe ihres Geld nur den Fußball negativ verändern. Besonders bei RB Leipzig gibt es, jetzt nach dem Aufstieg in die Bundesliga, immer mehr Diskussionen. Doch was sind die Kriterien für einen „Plastikverein“? Sind es Vereine, wie Manchester United, Manchester City, Paris Saint-Germain und auch RB Leipzig aufgrund ihrer Liquidität? Im allgemeinen Volksmund werden Vereine sehr schnell als künstlich (plastisch) bezeichnet. Zum Beispiel, wenn sie von einem Sponsor große Unterstützung erhalten oder aufgekauft werden wird schnell davon gesprochen, dass der Verein sich nicht treu sei und keine Tradition habe. „Er wird hochgezüchtet und nur das Geld macht den Verein groß.“ Wie am Anfang erwähnt ist Fußball aber (leider) ein Geschäft geworden und diese Vereine, die als Unternehmen agieren, streben nach Gewinn. Auch ein Sponsor unterstützt nur, wenn er sich neue Kunden für sein Produkt erhofft und dadurch ebenfalls Gewinn erzielen kann. Somit ist Fußball also mittlerweile durch das Geld regiert, egal wo es her kommt. Auch der FC Bayern München hat im Volksmund einen Ruf als finanziell viel zu starker und für die Bundesliga zu mächtiger Club. Dabei halt die FC Bayern München e.V. über 75% der Anteile des Clubs und finanziert einen großen Teil durch eigenen Umsatz.²

Anders als beim FC Bayern ist bei RB Leipzig der Hauptanteilseigner nicht der Verein selber, sondern die Red Bull GmbH mit 99%. Für RB Leipzig ist in dem Kriterium „Anteilseigner“ somit die Bezeichnung „Plastikverein“ gerechtfertigter, als beim FC Bayern. Nur je mehr Geld aus anderen Bereichen in den Fußball fließt, desto mehr wird auch in den Fußball an sich investiert. Wenn RB Leipzig zum Beispiel 50 Millionen € für Transfers zur Verfügung gestellt bekommt und sie die kompletten 50 Millionen in neue Spieler investieren, sind 50 Millionen € mehr im Fußball und stehen somit generell zur Verfügung (wenn der Verein, der das Geld empfängt nicht seine Schulden damit tilgt). Im Umkehrschluss heißt das also, dass die „Plastikvereine“ dafür sorgen, dass Geld in Umlauf gebracht wird. Das kann Vorteile für kleine Clubs haben, die Spieler für mehr Geld, als normalerweise verkaufen können und durch die neuen finanziellen Mittel eine Jugendakademie zur Förderung von Talenten aufbauen können.

Also meiner Meinung nach sind „Plastikvereine“ nicht schlimm für den Fußball, da sie Geld in Umlauf bringen. Es sind doch dann eher große Clubs, die auf ihrem Geld sitzen und nicht dazu beitragen, dass das Karussell sich dreht (so, wie Arsenal…). Natürlich leidet der Fußball an sich unter dem ganzen Geld, aber verhindern lässt es sich nicht. Das Konkurrenzdenken zwischen Unternehmen besteht einfach und ohne Sponsoren würden wir den Fußball heute so gar nicht haben. Wir sollten froh darüber sein Spiele im Fernsehen gucken zu können und uns nicht darüber Gedanken machen, ob die ARD was und wenn ja, wieviel dafür zahlt.

Quellen: ¹kicker.de ; ²fcbayern.de

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