Ein Lob auf den Tourismus

Da der Tourismus für viele Länder und auch für diesen Blog ein wichtiges Thema ist, möchte ich heute statt über eine Reise, über den Tourismus an sich schreiben.

Seit einigen Jahren schon lodert die Debatte über ökologisch nachhaltiges Reisen auf. Als im März 2020 Kreuzfahrtschiffe stillstanden und auch kaum mehr Flugzeuge abgehoben sind, ging ein kleiner Ruck durch die Gesellschaft. Durch die schönen Bilder von der Rückkehr der Delfine in die Lagune von Venedig wurde uns sogar bis März 2021 vor Augen geführt, was passiert, wenn wir das Reisen aussetzen und wir wieder mehr Acht auf die Natur geben. Auch aus anderen Teilen der Welt gingen positive Nachrichten um den Globus, die mit dem geringeren Reisen in Verbindung gebracht werden konnten.

Wir haben gesehen, dass es etwas bringt ökologisch nachhaltiger zu reisen. Die Erde hat sich kurz erholen dürfen. Das bewusste Reisen wurde noch präsenter und hat bei manchen Menschen Gedanken über das eigene Reiseverhalten ausgelöst.

Im Sommer 2021, als die Pandemie das Reisen kurz wieder möglich gemacht hat, waren viele der guten Ansätze und damit auch die Effekte nach kurzer Zeit wieder verschwunden.

Die Folge: Die gutgemachten Einbußen wurden durch einen erneut hohen CO2-Ausstoß zunichte gemacht. Im März 2021 sagten bei einer Umfrage sogar 46% der Befragten, dass sie nicht nachhaltig reisen würden und dies auch nicht planen. Das lässt einen ersten Schluss auf die weitere Entwicklung zu.

Nachhaltigkeit als Ganzes

Der ökologische Aspekt ist aber nur einer, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Wie sieht es mit dem ökonomischen und dem sozialen Aspekt aus? Wenn es nach der Theorie geht, sind alle drei Aspekte für Nachhaltigkeit verantwortlich – meistens in gleichem Maße.

Wenn man sich die das Bruttoinlandsprodukt einiger Länder anguckt, wird man feststellen, viele vom Tourismus ökonomisch abhängig sind. Als Beispiele für die direkte Wertschöpfung aus dem Tourismus sind sicherlich Spanien (ca. 12%), Frankreich (ca. 7%) und Italien (ca. 6%) interessant zu nennen, da sie beliebte Urlaubsziele der Deutschen sind (Stand 2018). Im Vergleich dazu: Der Anteil vom Tourismus am deutschen BIP liegt bei ca. 4%.

Die Beschäftigtenzahlen sind noch spannender, denn sie liegen in allen genannten Ländern über dem Anteil, den der Tourismus am BIP hat. In Spanien arbeiten 14%, in Frankreich 7,5% und in Italien 8% aller Arbeitnehmer im Tourismus (Stand 2018). Und jetzt komme ich endlich auf den Punkt.

Der Tourismus ist wirtschaftlich bedeutend für die Menschen vor Ort, nicht nur für die Länder an sich. Das zeigen die Zahlen. Viele Menschen sind von Reisenden abhängig, die ihr Geld in dem Hotel, in dem Restaurant oder an dem Strandliegenverleih lassen, wo sie arbeiten.

Besonders bei Hotels verändert sich die Lage seit Pandemiebeginn. Und sie verschlechtert sich nicht – nicht für uns. Teil des Tourismus zu sein, ist für uns ein Privileg. Im Tourismus zu arbeiten und keine Gäste mehr zu empfangen, weil diese nicht bereit sind den Preisanstieg zu bezahlen, ist für die Menschen in den Urlaubsregionen ein Problem. Besonders wenn die Inflation weiter auf dem jetzigen Stand bleibt und Jobs außerhalb des Tourismus schwer zu bekommen sind. Das ist nur ein kleiner Teil einer langen Kette.

Also, was sollten wir tun? Ganz einfach. Weiterhin reisen. Aber nicht auf Teufel komm raus den billigsten Flug buchen und dadurch versuchen die Preise zu drücken. Nachfrage regelt das Angebot und wenn die Nachfrage nach fairen Anstellungsverhältnissen und humanen Preisen hochgeht, können romantisch betrachtet, die Touristen langfristig etwas auslösen.

Zusammengefasst: Wir Reisenden sichern vielen Menschen in Urlaubsländern ihren Lebensunterhalt. Wenn wir zu weniger Lasten der Umwelt reisen und diesen Menschen weiterhin als Gäste begegnen, haben wir nachhaltiges Reisen zu großen Teilen verstanden. Nachhaltiges Reisen bedeutet nicht, gar nicht mehr zu reisen.

Ich nehme mich von dem Denken nicht aus. Auch ich bin für unmenschliche Preise geflogen und war mir bewusst, dass es nicht nachhaltig ist. Manchmal braucht es einen Anstoß, um Sichtweisen zu ändern oder neue Fakten, um Probleme zu verstehen. Mittlerweile tue ich mich schwer damit, für 19 EUR von Hamburg nach Brüssel zu fliegen.

Das ist einer der Hauptgründe, weshalb auf diesem Blog immer mehr Beiträge aus Deutschland kommen.

Falls du zu einem Zusammenhang weitere Anregungen hast, schreib mir bitte. Ich finde es sehr wichtig, sich damit auseinander zu setzen. Mein Instagram findest du hier.

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