Patrick Rothfuss‘ Debüt: Ein Blick auf die Königsmörder-Chroniken

Ein Blogbeitrag über das Debüt von Patrick Rothfuss

Rothfuss wird in vielen Rezensionen und Beiträgen als eine light Version von Tolkien bezeichnet, was mich nach der mehrmaligen Empfehlung der Königsmörder-Chroniken dann auch neugierig gemacht hat, denn wir alle wissen, dass Der Herr der Ringe das Maß aller Dinge ist, wenn es um Fantasy geht. Einzig Game of Thrones kommt da vielleicht noch dran.

Genau deshalb und weil ich mal wieder in eine Fantasywelt abtauchen wollte, habe ich mich an die Reihe gewagt. Worum es geht und wie mir der erste Band gefallen hat, darüber schreibe ich in diesem Beitrag.

Kurzbeschreibung

Die Geschichte entsteht als Geschichte in der Geschichte in einem fiktiven Land, der sogenannten „zivilisierten Welt“. In einem Wirtshaus finden sich einige Männer ein, darunter der Chronist, ein Schreiber, der die erzählte Geschichte festhalten soll. Kvothe, der Wirt und die Hauptfigur, erzählt diesen Männern und dem Leser seine Geschichte. Sie beginnt mit Berichten über die Reisen mit seiner Familie, die als Teil einer reisenden Künstlergruppe ihren Lebensunterhalt verdient. Plötzlich, als Kvothe gerade nicht im Lager ist, wird die Truppe überfallen. Zurück bleibt ein Bild der Verwüstung, überall liegen die toten Weggefährten von Kvothe. Unter den Leichen sind auch die seiner Eltern. Kvothe bemerkt, dass die, die das getan haben müssen, noch nicht weit sind. Er versteckt sich und belauscht die mysteriösen Chandrian. Ab da ist klar: Kvothe will sich rächen. Vergeltung wird zum Hauptmotivation für das gesamte Werk.

Kvothe ist nun Waise, er wird zum Straßenkind einer Großstadt, muss sich durchschlagen, bis er einen Weg findet, um auf die Universität zu gehen. Diesen Teil des Buches fand ich besonders spannend, weil er klar darauf abzielt Kvothe für seine Heldenreise Denkweisen und Fähigkeiten mit auf den Weg zu geben, die ihm im späteren Verlauf des Buches gegenüber den privilegierten Jugendlichen auf der Universität von Vorteil sein werden. Im Laufe der Jahre, die die Erzählung umfasst, durchläuft er eine Verwandlung, die ihn zu einem berüchtigten Magier, Schwertmeister und Sänger machen soll. Doch all das ist er zum Zeitpunkt der Erzählung im Wirtshaus schon nicht mehr.

Kvothe trägt viele Erinnerungen in sich. Manche sind gut, die meisten schlecht. Er erlebt Unglücke, wird von Mitstudierenden an der Universität hereingelegt, findet Freunde und Feinde, verliebt sich in eine Namenlose (oder eine mit unzähligen Namen – wie man möchte) und erlebt alles, was man in seiner Jugend erlebt. Hier lässt sich gut erkennen, dass Rothfuss versucht hat, eine Welt zu erschaffen, die der realen nicht zu fern ist, ähnlich wie in Die Chroniken von Narnia, was laut ihm ein prägendes Werk für seine schriftstellerische Entwicklung war.

Wir bekommen eine Welt beschrieben, die sehr detailreich ist, in der viel ausgeführt wird und in die wir in Ruhe eintauchen können. Denn genau das lässt der Schreibstil von Rothfuss zu. Das Tempo der Geschichte ist sehr gemächlich. Es gibt alles, was man fürs Welten bauen braucht, eigene Währungen, einen eigenen Kalender und eigene Sprachen.

Fazit

Es hat gedauert, bis ich reingekommen bin, weil der Anfang, in dem Kvothe mit der Truppe umherreist, so ausführlich und gemächlich beschrieben wird.. Da ich aber aus so vielen verschiedenen Richtungen gehört habe, wie gut das Buch sein soll, bin ich drangeblieben. Und es hat sich gelohnt. Wie oben schon erwähnt, ist der Detailreichtum der Welt unfassbar.

Die Charaktere sind manchmal nicht ganz nachvollziehbar. Ebenso Kvothe, der Hauptcharakter. Wenn er die Hilfe von Bauern in einer Notlage ausschlägt oder andere Chancen nicht ergreift, fragt man sich manchmal, wieso er jetzt so handelt. Die Motivation ist nicht immer klar, das tut der Geschichte im Großen und Ganzen aber keinen Abbruch. Es ist klar, dass es um das große Ganze geht, Kvothe als Helden zu etablieren, der es auch ohne fremde Hilfe schafft. Trotzdem frage ich mich, was passiert wäre, hätte er die Chancen ergriffen und sich helfen lassen.

Kvothe hat viel Glück (für meinen Geschmack manchmal ein bisschen zu viel) und ist immer der Beste. Klar, das ist eine Heldengeschichte, aber manchmal ist es too much. Vielleicht weiß er das aber auch und nimmt deshalb nicht jede Hilfe an – wäre ja nur noch unfairer.

Das Erzähltempo gefällt mir im Nachhinein betrachtet gut. Es ist den Ereignissen angepasst und die Geschichte lebt davon, dass nicht ein Twist auf den nächsten folgt. Dennoch gibt es im Buch Längen, in denen man ein wenig auf den Wörtern dahinsegelt, weil die Beschreibungen sehr lang sind. Wenn ich mir das gesamte Buch in Erinnerung rufe, sind diese Längen aber gut integriert und werden immer wieder von dem höheren Tempo in anderen Passagen wettgemacht.

Das Buch ist es wert gelesen zu werden und ich habe mir schon bevor ich mit diesem ersten Band fertig war, den nächsten geholt, der übrigens länger und daher in zwei Bücher aufgeteilt ist.

Gute Nachricht: Insgesamt werden die Königsmörder-Chroniken drei Bände haben. Jetzt die schlechte Nachricht: Der dritte Band ist noch nicht erschienen und es ist fraglich wann er erscheinen wird. Es gibt sogar Stimmen, die behaupten, dass er gar nicht kommt. Aber daran will ich nicht denken.

Stattdessen gibt es zwei Spinoffs, eines von Bast, dem Lehrling von Kvothe, der während dessen Erzählung im Wirtshaus auch anwesend ist, aber eine zweifelhafte Vergangenheit zu haben scheint, und eines von Auri, einem zerbrechlichen Mädchen, einer Verstoßenen, die in der Kanalisation unter der Universität lebt und sich dort ihr Reich erschaffen hat. Räume und Gänge haben ihre ganz eigenen Namen, die an die Bildung der Sprache erinnern, da die einfachsten Assoziationen ihren ihre Namen gegeben haben. Ich habe beide Spin-Offs noch nicht gelesen.

Stattdessen habe ich aber in den Podcast von Rothfuss reingehört, dessen aktuellste Folge zu dem Zeitpunkt, zu dem ich das letzte Mal geguckt habe, schon zwei Jahre alt war. Mittlerweile finde ich den Podcast gar nicht mehr so einfach, weil es ihn nicht bei Spotify gibt. Im Podcast spricht Rothfuss über den Schreibprozess sowie generell über seine Arbeit. Das, was ich gehört habe, hat mir sehr gefallen.

2 Gedanken zu “Patrick Rothfuss‘ Debüt: Ein Blick auf die Königsmörder-Chroniken

  1. Mir geht’s da wie dir: Tolkien als Maß aller (Fantasy-)Dinge, George R. R. Martin kann noch mithalten, aber was liest man dann? Auf Rothfuss bin ich nach ganz viel Lob auch gestoßen; schön, dass dich der erste Band überzeugen konnte! Ich hab ihn noch nicht gelesen und bin im Hinblick darauf, ob und wann der Abschluss kommt, auch immer noch ein bisschen unentschlossen.
    Beste Grüße! Jana

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    1. Das kann ich verstehen! Eine unfertige Reihe zu lesen ist für viele ein Grund es nicht zu tun. Ich fand die ersten Bücher aber sehr toll und würde es trotzdem wieder tun. Hoffe dennoch, dass bald das Announcement für den letzten Teil kommt. Beste Grüße zurück!

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