2014/15: Damals in Kanada

Damals… da hat alles angefangen. Kanada hat mich aus dem sicheren Nest gelockt und mich zur ersten großen Reise bewegt. Die Begeisterung über das Land war bei mir immer schon da, doch anfangs hatte ich keinen blassen Schimmer, wo Kanada liegt und Vancouver kannte ich nur vom Wintersport. Die typischen Vorurteile waren auch bei mir im Kopf abgespeichert, aber kurz nach meiner Ankunft wurden sie alle über den Haufen geworfen.

Es war 2013, als ich die Entscheidung traf nach Kanada zu fliegen. Damals schwang aber mit der so sicher klingenden Aussage, dass ich unbedingt dort hinwolle, eine Unsicherheit mit, die viele Menschen, denen ich von meinem Kanada-Plan, erzählte, nicht erkannten. Obwohl ich wirklich losfliegen wollte, hatte ich etwas Angst mich für längere Zeit aus Deutschland zu verabschieden. Damals war ich 18 Jahre alt und wusste gar nicht richtig, was es bedeutet für mehrere Monate auf einem anderen Kontinent zu leben. Trotz meiner Bedenken buchte ich zusammen mit meiner Mutter den Flug für den 2. November 2014. Dieses Datum werde ich wahrscheinlich – wie so viele andere auch – nie aus meinem Kopf löschen. Ich hatte aber vor Abflug noch einiges zu tun. Das Abitur sollte geschrieben werden, ich brauchte ein Visum, welches damals in zwei Runden an ein paar Tausend Deutsche vergeben wurde, und ich musste irgendwie noch ein bisschen Geld verdienen. Die Vergabebegrenzung des Visums war übrigens auch ein Reiz für mich, da man mit dem Working-Holiday-Visum für Kanada nicht einer von Millionen Deutschen in Australien oder Neuseeland ist. Ja, der Gedanke war tatsächlich irgendwie mit ausschlaggebend.

In den folgenden Monaten wurde das Abitur erfolgreich bestanden und auch der Job im Schuhlager, wo ich Bestellungen zusammenstellte, machte mir Spaß. Von Tag zu Tag stieg die Aufregung über die bevorstehende Reise. Doch gleichzeitig stieg auch die Freude. Der Mix dieser Gefühle war wahrscheinlich für meine besten Freunde teilweise sehr anstrengend, da die Gesprächsthemen während der Treffen immer wieder auf Kanada fielen und ich alle meine Vorhaben ausführlich schilderte. In den Monologen tauschten aber auch Freude und Neugier ihren Platz mit Sorge. Was hätte alles schiefgehen können? Wie man an meinen Berichten und den vielen Fotos aus dem Beitrag über Kanada sehen kann, gewann die Neugier. Und bis heute gewinnt sie fast immer. Ebenso schwing die Vorfreude mit und entwickelte sich in Nordamerika zur richtigen Freude über all das Neugesehene. Von einigen Freunden erfuhr ich im Nachhinein, dass sie gedacht hätten, dass ich mich nicht traue alleine nach Kanada zu reisen – und ich war mir auch nicht zu jedem Zeitpunkt zwischen der Buchung und dem Abflug sicher, ob ich es tun würde.

Die Reise nach Kanada begann, als wir nach Düsseldorf fuhren, von wo es nach London ging. Erst auf dem Flug von London nach Vancouver habe ich dann gemerkt, dass es ernst wurde. Die Stewardess fragte mich auf englisch, was ich essen wolle und obwohl ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, was „salmon“ bedeutete, probierte ich es. Ich war aber trotzdem froh, dass sie mir die Wahl zwischen zwei Dingen gab und ich nicht aktiv ansprechen musste, welches Gericht ich wollte.

In Kanada angekommen lief dann aber alles wie von alleine. Meine Illusion, dass es wenig deutsche Backpacker in Vancouver geben würde, wurde zerstört, als ich ins Hostel kam. Aber das machte mir nichts, denn wenn ich wollte, konnte ich auch Backpacker aus anderen Ländern treffen und mit ihnen Unternehmungen starten. Dies tat ich, und James (einmal darfst du raten woher er kommt), mit dem ich bis heute guten Kontakt habe, hätte ich sogar 2020 in Australien getroffen, wenn ich hätte reisen können. Auch spätere Weggefährten auf meiner Kanadareise, die alle unterschiedliche Abschnitte begleiteten, wurden Bekannte oder Freunde, mit denen ich regelmäßigen Kontakt pflege. Auch Zac, der an dem anderen Ende der Welt lebt, hätte mich in seiner Heimatstadt Sydney mit offenen Armen empfangen. Die Reise nach Australien, wo ich alleine hingeflogen wäre, wäre ein Produkt meiner Neugier und der vorherigen Erfahrung aus Kanada gewesen. Ohne Kanada hätte ich mich wahrscheinlich gar nicht getraut einmal um die halbe Welt zu fliegen. Bald wird das Ganze nachgeholt!

Rückblickend war Kanada also ausschlaggebend für meine weiteren Reisen. Oft entwickelt sich aus einer mutigen Idee etwas, womit wir nicht rechnen. Es öffnen sich viele Türen, wenn man einen unbekannten Weg geht und sich ins kalte Wasser werfen lässt. Meistens siegt die Gewohnheit und die Bequemlichkeit, aber die Male, wo der Funken Neugier überspringt, erzeugen die Geschichten, die wir noch in vielen Jahren erzählen. Das Land des Ahronblatts, welches fast einen Biber auf der Flagge gehabt hätte, markiert den Startpunkt für die Trips nach Bali, Irland, Italien, Spanien, Belgien und sonst wo hin. Und nicht nur dafür, sondern auch für den Start dieses Blogs, der zu dem Zeitpunkt, wo ich diesen Beitrag hier schreibe, schon vier Jahre alt ist.

An dieser Stelle noch einmal Danke für jeden, der einmalig oder regelmäßig auf diese Seite schaut und mich bei Instagram noch nicht wegen zu viel Werbung in eigener Sache gelöscht hat.

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